QAG Digitalisierung
Die Querschnittsarbeitsgruppe (QAG) befasst sich mit der Digitalisierung und den Auswirkungen auf die Soziale Arbeit. Digitalisierung ist kein Selbstzweck und soll einen Mehrwert generieren. Es ergeben sich viele Chancen für neue Teilhabe aber auch Risiken im Umgang mit persönlichen Daten.
Daher widmen wir uns den Fragen, welche positiven Auswirkungen die Digitalisierung auf die Teilhabe von Menschen mit Benachteiligungen haben kann, Fragen zur Effektivierung von Arbeitsprozessen in den Verbänden und Einrichtungen der Freien Wohlfahrtspflege und Fragen im Umgang mit persönlichen Daten.
Digitalisierung braucht ethische Standards und einen politischen Rahmen, der gestaltet werden muss, damit alle Menschen profitieren und nicht einzelne gesellschaftliche Gruppen abgehängt werden. Diese werden wir im Prozess mit den Einrichtungen der Wohlfahrtsverbände und den Betroffenen erarbeiten.
Vorsitz: Dr. Yasmin Alinaghi I Der Paritätische Hessen
Sprecher: Artur Louis I Der Paritätische Hessen
Christina Bräutigam I AWO Gießen
Sven Schmidbauer I DRK LV Hessen, Prozessmanagement
Martin Schäfer I DRK LV Hessen
Julia Kleine I DiCV Limburg, Verbandsmanagement
Holger Franz I DiCV Fulda
Kerstin Öhl I DiCV Mainz
Thomas Jung I Diakonie Hessen
Michael Stotz I Diakonie Hessen
Anna Meißner I Diakonie Hessen
Freitag, 20.02.2026, 10:00 - 12:00 Uhr
Teams
Dienstag, 28.04.2026, 10:00 - 12:00 Uhr
Teams
Freitag, 19.06.2026, 10:00 - 12:00 Uhr
Teams
Donnerstag, 08.10.2026 10:00 - 14:00 Uhr
Der Paritätische Hessen, Frankfurt
Donnerstag, 17.12.2026, 10:00 - 12:00 Uhr
Teams
09.12.2025
KI-Tools haben Hochkonjunktur. Versprechen der IT-Großkonzern lassen hoffen, dass mit Hilfe der KI-Tools der Fachkräftemangel bewältigt werden kann. Das wäre in der Wohlfahrtspflege, in der der Mangel an Fach- und Arbeitskräften sehr groß ist, ein Segen. Gut beraten ist die Wohlfahrtspflege allerdings, wenn KI-Tools und der vertrauliche Umgang mit Daten zunächst sorgfältig geprüft werden. Eine Grundlage der Geschäftsmodelle der IT-Konzerne ist, dass Daten, die von KI-Tools verarbeitet werden, dazu dienen, die Modelle zu verbessern. Wer KI-Tools Daten verwendet, gibt diese häufig frei. Schulungen im Umgang mit KI-Tools sind notwendig, um die ungewünschte Freigabe vertraulicher Daten zu vermeiden.
Der Europäische AI-Act wird deshalb oft als Innovations-Bremse dargestellt. Er basiert auf Risiko-Einschätzungen für die Menschen, was sehr zu begrüßen ist. Die Sicherheit und die Grundrechte stehen im Vordergrund und es gibt bereits IT-Unternehmen, die diese ebenso schätzen und die eigenen KI-Lösungen daran ausrichten.
Wer sich bereits in KI-Tools üben möchte, ist allerdings heute gut beraten, dies zunächst mit unbedenklichen bereits veröffentlichen Daten zu tun. Denn es sind die Arbeitstechniken, die sicher auch den Wohlfahrtsverbänden helfen werden. In allen Anwendungsbereichen, in denen sensible Daten verarbeitet werden, bleibt die Hoffnung, dass die Risiko-Einschätzung für die Menschen immer Vorrang hat und unbedingt berücksichtigt werden sollte.
Wer durch den schnellen Einsatz von KI-Tools stets korrekte Antworten erwartet, kann Enttäuschungen erleben. Zum Phänomen der KI-Halluzination gibt es immerhin bereits einen Wikipedia-Eintrag. Wenn in einem Dialog mit einem Chatbot ein Ergebnis überzeugend klingt, kann es sich dabei durchaus um einen zwar überzeugend formulierten Sachverhalt handeln. Dieser könnte von der generativen KI jedoch weitgehend frei erfunden sein.
Jede Innovation braucht Menschen, die den Einsatz einschätzen, Empfehlungen im Umgang damit aussprechen und dann besonnen Entscheidungen zum Einsatz treffen. Das trifft auch zu, wenn der Leidensdruck aufgrund des Fach- und Arbeitskräftemangels groß ist. Wichtig sind die Perspektiven, die sich damit auftun und die kreativen Lösungen, die entstehen können. Aus diesem Grund ist die Liga Hessen offen für den Austausch zu KI-basierenden Lösungen und für jede Diskussion, die Äußerung von Vor- und Nachteilen zulässt und die Grundrechte der Menschen dabei im Blick behält.
Quellen oder weiterführende Beiträge:
https://www.deutschlandfunk.de/ki-europa-souveraenitaet-usa-100.html
https://www.deutschlandfunk.de/ai-act-eu-kuenstliche-intelligenz-gefahr-regulierung-100.html
https://de.wikipedia.org/wiki/Halluzination_(K%C3%BCnstliche_Intelligenz)
Auf der Basis des Online-Zugangsgesetzes sollen bis Ende 2022 insgesamt 575 Verwaltungsleistungen digitalisiert werden. Im Fokus der Informationsveranstaltung der Liga Hessen standen der Blick auf den aktuellen Status der Umsetzung sowie auf praktische Beispiele der Digitalisierung von Sozialleistungen. Mit Hilfe einer sogenannten „OZG-Sozialplattform“ sollen Nutzer*innen von Verwaltungsleistungen in den Mittelpunkt gestellt werden. Allein das Hessische Ministerium für Soziales und Integration hat die Fachaufsicht für ca. 190 Verwaltungsleistungen, die sich an diverse Zielgruppen richten. Die Wohlfahrtsverbände erhalten in ihrer Rolle als Dienstleister und Arbeitgeber zum Beispiel zukünftig die Möglichkeit, sich mit verschiedenen Beratungsangebote auf der Plattform zu platzieren oder auch die berufliche Anerkennung für Fachpersonal online zu beantragen. Als Anbieter von Beratungsleistungen wird für die Wohlfahrtsverbände und deren Beratungsstellen die „OZG-Sozialplattform“ eine große Rolle spielen.
Die Info-Veranstaltung ging auf folgende Inhalte ein:
- Begrüßung HMSI, Thorsten Henz
- Einführung OZG – Referent Thomas Uhlen – Caritas in Niedersachsen
- Bericht Stand der Umsetzung OZG – Referent Volker Mosler – Kommunale Koordinierungsstelle Hessen
- Sozialplattform – Referentin Beatrice Berbig (OZG Plattform NRW)
- Praxisbericht Online-Beratung an der Schnittstelle OZG – Rüdiger Dreier – Caritasverband Münster
Zum Fachpublikum der Veranstaltung gehörten Mitarbeiter*innen aus verschiedenen Beratungsstellen, deren Leistungen sich z. B. an Menschen mit Beeinträchtigungen oder Behinderungen, an Geflüchtete mit sozial- oder asylrechtlichen Fragen, an Menschen mit Überschuldungs- oder psychosozialen Problemen richten. Für sie ist es besonders wichtig, dass die Zugänge barrierefrei gestaltet werden und keine Ausgrenzung erfolgt, weil sie nicht über einen Zugang zum Internet, zu Laptop, Tablet oder Drucker verfügen. Außerdem wurde ein anonymer Zugang als wichtig erachtet, Datenschutzanforderungen, Qualifizierung der Mitarbeitenden und die Kompatibilität der Software der Träger mit den Schnittstellen bei der Sozialplattform.
Eine Orientierung an Lebenslagen verschiedener Zielgruppen liegt der Planung der OZG Leistungen zugrunde. Ein Kernstück der OZG Vorgehensweise ist das Once-Only-Prinzip. Daten und Dokumente der Bürgerinnen und Bürger sollten nur einmal erfasst werden müssen. Die Bundesländer haben sich die Verantwortung für die Umsetzung der verschiedenen OZG-Leistungen aufgeteilt, das ist das Einer für Alle Prinzip (EfA). So hat beispielsweise das Land Nordrhein-Westfalen die Federführung bei Leistungen des Bundesressorts Arbeit und Soziales übernommen. Die zur Nach-/Mitnutzung erstellten Leistungen sind hier einsehbar: https://www.fitko.de/fit-store.
Die bisherige Strategie "Digitales Hessen" aus dem Jahr 2016 hatte die Sozialwirtschaft der hessischen Wohlfahrtsverbände kaum im Blick. Lediglich im Anwendungsbereich Gesundheit wird die ärztliche Versorgung bzw. der Krankenhausbereich mit digitalen Technologien beleuchtet. Die Wohlfahrtsverbände erbringen aber in vielen gesellschaftlich relevanten Bereichen soziale Dienstleistungen, die bisher wenig digitalisiert sind, in denen sichaber sichtbare Potentiale auftun. Politik und Sozialwirtschaft müssen die Potenziale der Digitalisierung in der Sozialwirtschaft und bei den hessischen Wohlfahrtsverbänden erkennen und bei der Gestaltung von Gesetzen und untergesetzlichen Regelungen sowie der Regelfinanzierung berücksichtigen. Die Sozialbranche als wichtiger Wirtschaftszweig und gesellschaftliche Gestaltungskraft kann und sollte in dem dynamischen Prozess der Digitalisierung ein zentrales Feld werden.
Download Stellungnahme "Digitale Strategie Hessen" vom 20.11.2020
Um einen Überblick über bestehende digitale Strukturen zu erhalten, hat die Liga im März und April 2019 eine Online-Befragung bei den Liga-Mitgliedsverbänden und deren Einrichtungen durchgeführt. Hier wurde abgefragt, inwiefern Digitalisierungsprozesse oder digitale Produkte bereits in den Arbeitsfeldern verwendet werden. Die Befragung ist keine repräsentative Erhebung, aber sie soll für die politische Arbeit der Liga einen groben Überblick geben, was bereits umgesetzt wird und wo es Unterstützungsbedarf gibt.
Hintergrund ist, dass der Liga-Gesamtvorstand im Frühjahr 2019 die strategische Ausrichtung beim Thema Digitalisierung diskutiert hat. Es wurde beschlossen, sich als Liga dafür einzusetzen, sozialpolitisch Position zu beziehen und unmittelbar verschiedene Forderungen an die Politik bzw. an das neue Hessische Ministerium für Digitale Strategie und Entwicklung zu richten.