Pflege wird vor Ort geleistet: In der eigenen Wohnung, im Quartier, in ambulanten Diensten und in Einrichtungen. Wie diese Angebote besser zusammenarbeiten und überall in Hessen verlässlich verfügbar sein können, war Thema beim Liga-Fachtag „Pflege weit(er) denken“ in Frankfurt. Grundlage ist das Liga-Positionspapier „Sozialraum der Zukunft jetzt verbindlich gestalten“.
Aktuell unter den Teilnehmenden wurde auch das gestern beschlossene Pflegeneuordnungsgesetz diskutiert. „Unserer Ansicht nach wurden hier zwar einzelne Kritikpunkte aufgegriffen, die Reform bleibt aber hinter den Erwartungen vieler Pflegebedürftiger, Angehöriger und Träger zurück. Die Pflege braucht kein weiteres Hin und Her zwischen Gesetzesänderungen, Übergangsregelungen und neuen Kommissionen, sondern verlässliche Rahmenbedingungen, Planungssicherheit und einen konsequenten Ausbau tragfähiger Unterstützungsstrukturen vor Ort. Gute Pflege entsteht dort, wo Menschen leben. Deshalb müssen Sozialräume gestärkt, professionelle Angebote erhalten und pflegende Angehörige wirksam entlastet werden. Wer Verantwortung stärker in Familien, Nachbarschaften und Kommunen verlagert, muss auch die notwendigen Ressourcen und Strukturen bereitstellen. Andernfalls droht die Versorgungslücke weiter zu wachsen“, erklärt Tim Helfert, Vorsitzender des Liga-Arbeitskreises „Gesundheit, Pflege und Senioren“.
„Gute Versorgung darf nicht davon abhängen, ob eine Kommune genug Personal, Daten und Geld hat. Wer gleichwertige Lebensverhältnisse ernst nimmt, muss in allen Regionen verbindliche Strukturen für Beratung, Prävention, Pflegeplanung und Versorgungssicherung schaffen“, so Sonja Driebold für die Arbeitsgruppe „Sozialraum“ der Liga Hessen.
Klare Verantwortung für die Pflege vor Ort
Peter Koch sprach in seiner Keynote über die Rolle der professionellen Pflege zwischen Versorgungssystem und Sozialraum: „Pflegefachpersonen kennen die Bedarfe vor Ort. Sie müssen deshalb an Planung und Steuerung der Versorgung verbindlich beteiligt werden“, so Koch.
Pflege, Wohnen und Beratung besser verbinden
Prof. Dr. habil. Thomas Klie arbeitete Chancen und Grenzen des PNOG heraus, betonte die Notwendigkeit, konsequenter regionaler und örtlicher institutioneller und sektorenübergreifender Kooperationen und skizzierte die Verantwortung der freien Wohlfahrtspflege für die Sicherstellung der Pflege in einem modernen wohlfahrtspluralistischen Verständnis. Hessen könne auf eine langjährige Tradition einer kommunal verankerten Pflegepolitik blicken und zeige auch Gestaltungswillen, was neue Governancestrategien örtlicher Altenhilfe- und Pflegestrukturen anbelangt, so Klie.
Versorgung gemeinsam neu organisieren
Prof. Bernd H. Mühlbauer stellte mit „Care Share 13“ eine umfassende Transformation des Gesundheits- und Sozialwesens vor. „Eine zukunftsfähige Versorgung braucht mehr als einzelne Korrekturen. Verantwortung, Planung und Finanzierung müssen in den Regionen gemeinsam organisiert werden“, erklärte Mühlbauer.
Diese fünf Liga-Forderungen wurden beim Fachtag diskutiert:
- Eine verbindliche Alten- und Sozialplanung in allen Landkreisen und Kommunen ist notwendig.
- Bei regionalen Gesundheits- und Pflegekonferenzen müssen alle wichtigen Akteure beteiligt werden. Ergebnisse müssen dann in Beschlüsse, Haushalte und konkrete Maßnahmen überführt werden.
- Pflegestützpunkte sollten zu gut erreichbaren Pflegekompetenzzentren weiterentwickelt werden, die Beratung und Hilfen koordinieren.
- Hessen braucht einen aktuellen Versorgungsatlas und einen gemeinsamen Datenpool, damit Versorgungslücken früh erkannt und geschlossen werden können.
- Prävention und präventive Hausbesuche müssen dauerhaft finanziert werden. Land und Bund müssen den Kommunen dafür Personal, Planungsmittel und Investitionsförderung bereitstellen.
Die Botschaft des Fachtags ist klar: Pflege braucht nicht nur neue Leistungen, sondern verlässliche Verantwortung vor Ort. Bund, Land, Kommunen, Pflegekassen und Träger müssen gemeinsam dafür sorgen, dass erkannte Versorgungslücken tatsächlich geschlossen werden.