Pandemiegeschehen: Hilferuf aus der Pflege

Corona und Fachkräftemangel gefährden Versorgung Pflegebedürftiger I Vernetzung der Akteure vor Ort für schnelle Hilfe nötig I Liga Hessen wendet sich mit Hilferuf direkt an alle Landrät*innen und Oberbürgermeister*innen in Hessen

 

Mit einem schriftlichen Hilferuf hat sich die Liga der Freien Wohlfahrtspflege in Hessen an die hessischen Landrät*innen und Oberbürgermeister*innen gewandt. „Die steigenden Infektionszahlen und die stagnierende Erst-Impfquote machen deutlich, dass wir in den nächsten Wochen und Monaten in den Einrichtungen der Pflege vor enormen Herausforderungen stehen“, sagt Michael Schmidt, Vorsitzender des Liga-Arbeitskreises „Gesundheit, Pflege und Senioren“. „Wir müssen aus den Fehlern des letzten Winters lernen und Versorgungsengpässe unbedingt vermeiden.“ 

Die personelle Situation in den Pflegeeinrichtungen spitzt sich immer weiter zu – Grund sind Kündigungen und Abwanderungen der Pflegekräfte in der anhaltenden Pandemie bzw. Langzeiterkrankungen von Mitarbeitenden. Bereits vor der Pandemie fehlten hier zunehmend Fachkräfte, wie die alarmierenden Zahlen des kürzlich veröffentlichten Pflegemonitor in Hessen deutlich machen[1]. Durch die stark ansteigenden Infektionszahlen in der Bevölkerung rechnen wir mit einem erhöhtem Infektionsgeschehen in den Pflegeeinrichtungen und folglich weiteren Ausfällen beim Personal. Zwar sind mit einer hohen Impfquote und bestmöglichen Hygienestandards die Voraussetzungen andere als im Winter 2020/21. Es ist aber nicht auszuschließen, dass es wieder zu Versorgungsengpässen in Pflegeeinrichtungen in Hessen kommt.

Die Liga Hessen hat in ihrem Schreiben an die kommunalen Vertreter*innen vor Ort um eine enge vernetzte Zusammenarbeit gebeten. Es müsse klar sein, welche Institutionen aktiviert werden könnten, um die Versorgung in betroffenen Einrichtungen sicher zu stellen. Im Bedarfsfall müssten THW, Bundeswehr oder Hilfsorganisationen schnell aktivierbar sein. Auch eine regionale Vernetzung zwischen den Einrichtungen / Mobilen Diensten und dem Öffentlichen Gesundheitsdienst (bspw. Gesundheitsämter) seien dringend erforderlich. „Die Einrichtungen müssen wissen, an wen sie sich im definierten Bedarfsfall wenden können, wenn alle eigenen Ressourcen ausgeschöpft sind. Wir brauchen klar kommunizierte Ansprechpartner*innen vor Ort für die Einrichtungen und Dienste“, betont Schmidt.

Neben einer engen vernetzten Zusammenarbeit bittet die Liga Hessen für ihre Einrichtungen in der Pflege um personelle Unterstützung, bspw. Bundeswehrsoldaten. „Die deutlich erhöhten Testaufkommen in den Pflegeeinrichtungen – z. T. nun auch für geimpfte Besuchende und Mitarbeitende – ist personell nicht zu stemmen. Unbedingt wollen wir Besuchseinschränkungen für Angehörige vermeiden. Damit die vermehrten Testungen leistbar sind, benötigen die Einrichtungen dringend Unterstützung. Wir bitten Sie nachdrücklich, die Bundeswehrkapazitäten für Ihre Gebietskörperschaft anzufordern und analog dem Frühjahr 2021 Unterstützungen für die Einrichtungen zu organisieren“ heißt es in dem Schreiben abschließend.

 

Ansprechpartner:

Michael Schmidt

Vorsitzender Liga-Arbeitskreis „Gesundheit, Pflege und Senioren“

E-Mail: michael.schmidt@awo-nordhessen.de

Tel.  0561 / 5077 - 104


[1]www.hessischer-pflegemonitor.de