Oma und Opa ziehen bald in die „Pflege-WG“ – Liga macht es mit möglich

"Ich möchte solange es geht zuhause wohnen oder gepflegt werden, ich möchte nicht ins Heim!" Oft hören diesen Satz Angehörige und unsere Mitarbeitenden vor Ort von älteren Menschen.

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Aber irgendwann kommt der Zeitpunkt, an dem die Pflege zuhause nicht mehr geht: Keine Barrierefreiheit, keine Kapazitäten der Angehörigen. Jetzt ist auch dank der Initiative der Liga der Weg frei für die Pflege-WG! 

„Bisher war das Hessische Pflege- und Betreuungsgesetz die große Hürde für derartige Zukunftsideen in der Pflege“, so Michael Schmidt, Vorsitzender des Liga Arbeitskreises „Gesundheit, Pflege und Senioren“. Jetzt gibt es eine Erfolgsmeldung:

Die Liga Hessen e.V. hat sich dieser Herausforderung gestellt und eine Handlungsleitlinie zur Umsetzung von trägerorganisierten ambulanten Pflegewohngemeinschaften erarbeitet. Sie informiert die möglichen Träger darüber, welche Voraussetzungen sie erfüllen und welche Spielräume sie für den Auf- und Ausbau dieser Versorgungsform einhalten müssen.

Die Handlungsleitlinien wurden mit allen Beteiligten: Pflege- und Krankenkassen, Sozialhilfeträgern, Betreuungs- und Pflegeaufsichten, der Liga und den privaten Anbietern und dem HMSI, erarbeitet und beschlossen.

Gerade in kleineren Gemeinden und Kommunen ist der Bedarf an Pflegeplätzen eher gering. Hier ist statt einer stationären Altenhilfeeinrichtung, die eine bestimmte Anzahl von Plätzen benötigt, um wirtschaftlich geführt zu werden, eine kleinere ambulante Versorgungsform interessant. Dem Wunsch vieler Bürger*innen, im eigenen Ort zu wohnen und dort versorgt zu werden, wir damit Gehör verschafft.

Brigitte Lerch vom Arbeitskreis „Gesundheit, Pflege und Senioren“ hat an der Handlungsempfehlung mitgearbeitet: „Unsere Träger der Dienste und Einrichtungen verfolgen mit ihrer Arbeit das Ziel, den Menschen mit Unterstützungsbedarf eine Vielfalt von passgenauen Möglichkeiten in der Unterstützung und der Pflege und Betreuung anzubieten. Die Lebens-, Betreuungs- und Pflegequalität steht dabei im Vordergrund und soll eine Basis für ein lebenswertes Zuhause aller Menschen in Hessen schaffen.“

Die ersten Träger machen sich bereits auf den Weg, um mit Konzepten und Gesprächen mit allen Beteiligten vor Ort in die Umsetzung zu gehen.


Warum ambulante WGs?

  • Kleinräumigkeit und Überschaubarkeit – Aufgrund ihrer Größe von in der Regel bis zu 12 Mieter*innen können ambulante WGs besser und zielgerichteter auf individuelle Bedarfe und Wünsche der Nutzer*innen eingehen.
  • Dezentrale Verortung - Viele Betroffene wünschen sich ein Versorgungsangebot im vertrauten Nahraum und wollen das bisherige Wohnquartier nicht verlassen. Auch kleinere Kommunen erkennen zunehmend, dass sie mit ambulanten WGs ein ortsnahes und sozialräumliches Pflegeangebot umsetzen und damit dem Wunsch vieler Bürger im eigenen Ort zu verbleiben, entsprechen könnten.
  • Gezielterer Einsatz von Pflegefachkräften und Alltagsbegleiter*innen – Durch eine Kooperation mit einem ambulanten Pflegedienst können die pflegerischen und behandlungspflegerischen Einsätze durch Pflegefachkräfte bedarfsgerechter organisiert werden. Die überwiegend nicht pflegerischen Bedarfe (hauswirtschaftliche Unterstützung, Betreuungsleistungen) können durch Alltagsbegleiter*innen erbracht werden, die 24 Stunden zur Verfügung stehen. Dieser Personalmix nimmt Rücksicht auf den bestehenden Fachkräftemangel, ohne dabei Qualität in der Versorgung einzubüßen. Ambulant betreute Wohngemeinschaften können also einen entscheidenden Beitrag leisten, eine hohe Versorgungssicherheit zu gewährleisten.