AK 5 Kinder, Jugend, Frauen und Familie, Presse
Datum: 02. Juni 2020

Träger werden alleine gelassen

zum Start des eingeschränkten Regelbetriebes an hessischen Kitas äußert die Liga Hessen Kritik und fordert das Land dazu auf, seine Verantwortung in der Steuerung wahrzunehmen.

Die Corona-Pandemie hat uns alle in unserem täglichen Leben stark eingeschränkt, tut es noch. Vor allem die Kleinsten leiden darunter. Ihr Leben hat sich völlig verändert: Es fehlen die Kontakte zu ihren Freunden, ihrem alltäglichen sozialen Umfeld in ihrer Kita. Die Eltern stemmen seit fast drei Monaten Familie und Beruf nebeneinander, viele sind am Limit ihrer Kraft angekommen. Die Träger und Erzieher*innen stehen im Brennpunkt des Krisengeschehens, müssen in engem Zeittakt neue Verordnungen umsetzen.

Ab heute, 02. Juni, wechseln wir in Hessen in Stufe III der Notbetreuung und sind damit im „eingeschränkten Regelbetrieb“. Einheitliche Standards sind nicht gesetzt. Leitlinien zur Gruppengröße oder zur Personalausstattung fehlen, eine größtmögliche Flexibilität in der Ausgestaltung der Betreuungsangebote soll damit gewährt werden. Während die Verordnung nach wie vor Berufs- und Personengruppen festlegt, die einen vorrangigen Betreuungsanspruch haben, bleiben auch die Kriterien zur Vergabe von „Restplätzen“ den Trägern frei überlassen. Diese Entscheidung der Politik birgt großes Konfliktpotential. Als erste Ansprechpartner für die Familien müssen die Kita-Träger nun Sachverhalte erläutern, die in Hessen völlig unterschiedlich umgesetzt werden, deshalb nur schwer zu vermitteln sind und die sie nicht verantworten.

 „Nachdem sich Eltern über Monate sehr geduldig und kooperativ gezeigt haben, brauchen sie jetzt eine verlässliche Orientierung. Mit den jetzigen Vorgaben sind die Träger vom Gesetzgeber in die erste Reihe gestellt, um den politischen Willen zu übersetzen und die Widersprüche in der Verordnung abzupuffern“, kritisiert Regine Haber-Seyfarth vom Liga-Arbeitskreis „Kinder, Jugend, Frauen und Familie“. Die Liga habe in die Fachgespräche mit dem Hessischen Sozialministerium konstruktive Vorschläge und Empfehlungen zur Ausgestaltung des eingeschränkten Regelbetriebs eingebracht, aber selbst zunächst einvernehmlich abgestimmte Leitlinien seien letztlich nicht berücksichtigt worden.

Angesichts des Infektionsschutzgesetzes, der notwendigen Schutzmaßnamen und der Fürsorgepflichten für die Mitarbeitenden sind die Kitas in Hessen von einem Normalbetrieb noch weit entfernt. Auf dem Weg dorthin erwarten jetzt alle Akteure konkrete Maßnahmen:

Die Liga macht sich seit vielen Jahren stark für Qualitätsverbesserungen im Bereich Leitung, Personal und Pädagogik von Kitas, mit großer Unterstützung von Erzieher*innen, Eltern und Trägern.
Wir fordern, dass auch unter den Vorzeichen der Corona-Pandemie ein Rahmen beschrieben ist, der die Einhaltung der qualitativen Standards pädagogischer Arbeit und insbesondere die Maßgaben des Kinderschutzes gewährleistet.

Die Liga unterstützt flexible Lösungen, wenn sie für passgenaue Kita-Angebote zielführend sind:
Für den „eingeschränkten Regelbetrieb“ bleiben einheitliche Leitlinien für maximale Gruppengrößen und die Personalausstattung unerlässlich. Der sonst entstehende hessische Flickenteppich ist Eltern nicht vermittelbar, bringt Träger an die Grenzen und stellt die Rechte der Kinder hintenan.

Die Liga hat in den ersten Stufen der Notfallbetreuung die kurzfristigen Anpassungen der Verordnung stets mitgetragen:
Bei stabilen Infektionszahlen muss jetzt eine konkrete Perspektive für Kinder, Eltern/Sorgeberechtigten und Träger aufgezeigt werden. Es braucht eine verlässliche Planung für die Zeit ab 5.7.2020 und ab dem neuen Kindergartenjahr. Die Liga erwartet vom Land Hessen zeitnah entsprechende Weichenstellungen und eine verantwortliche Steuerung des Ministeriums.

Am 10. Juni findet im Hessischen Sozialministerium ein weiteres Gespräch zum Thema statt. Die Liga wird wieder darauf drängen, dass die Bedenken und Empfehlungen der Träger berücksichtigt werden. Denn sie als Praktiker vor Ort wissen am besten, wie ein neuer Kita-Alltag für alle Kinder in Hessen aussehen kann.

Kontakt:

Regine Haber-Seyfarth
Arbeitskreis „Kinder, Jugend, Frauen und Familie“
regine.haber-seyfarth@diakonie-hessen.de

Petra Broo
Arbeitskreis „Kinder, Jugend, Frauen und Familie“ / UAG Kita
petra.broo@dicv-limburg.de