AK 2 Armut, Gefährdung und Integration, Presse, Positionen
Datum: 21. Dezember 2016

Immer mehr Kinder und Jugendliche obdachlos

Die aktuellste Stichtagserhebung* der Liga der Freien Wohlfahrtspflege in Hessen zur Wohnungslosigkeit zeigt: Unter 17-Jährige sind zunehmend wohnungslos

Bild: iStockphoto.com/Zhenikeyev

Während sich der Anteil der jungen Erwachsenen bis 27 Jahre im Vergleich zu 2013 weiterhin unverändert auf hohem Niveau bewegt (2015: 430; 2013: 577), hat sich die Anzahl der unter 17-Jährigen fast verdoppelt. Um dieser Entwicklung entgegen zu treten, müssen Angebote der Jugendhilfe mit der Wohnungslosenhilfe viel besser als bisher vernetzt werden. Aufgrund ihrer meist komplexen Problemlagen werden für die jungen Menschen fachlich spezialisierte Hilfeangebote benötigt. Die Erhebung zeigt weiter: Die Lage für wohnungslose Menschen in Hessen hat sich insgesamt nicht entspannt. Neben der wachsenden Wohnungslosigkeit von jungen Menschen ist auch die Zahl der wohnungslosen Menschen ab 50 Jahren weiterhin mit 33 Prozent signifikant hoch. Eine besondere Herausforderung für die Einrichtungen stellen ältere wohnungslose Menschen mit Suchtproblemen oder Pflegebedürftigkeit dar.

Zu wenig Angebote für Frauen

Der Anteil wohnungsloser Frauen liegt seit Jahren konstant hoch bei rund 21 Prozent. Aufgrund der Dunkelziffer wird der Anteil wohnungsloser Frauen bundesweit auf ca. 27% geschätzt. Bei Frauen kann von einem erheblichen nicht erfassten Anteil ausgegangen werden, da Frauen oft in sogenannter „versteckter“ Wohnungslosigkeit leben und die Einrichtungen nicht nutzen. Festzustellen ist auch, dass es weiterhin nur in wenigen Kommunen spezielle Angebote für wohnungslose Frauen (mit Kindern) gibt. 

Immer mehr Menschen "ohne Unterkunft"

Bei der Unterkunftssituation wird deutlich, dass auffällig viele Menschen „ohne Unterkunft“ sind. 2013 waren es neun Prozent, 2015 sind es schon 16 Prozent der Erfassten. „Ohne Unterkunft“ bedeutet, diese Menschen kommen nicht in Notunterkünften, anderen Wohnformen oder bei Freunden unter und schlafen stattdessen unter Brücken, in Abbruchhäusern oder Garagen.

"Brauchen eine hessische Wohnungsnotfallstatistik"

Die von der Liga Hessen zweijährlich durchgeführte Stichtagserhebung ist ein wichtiges Instrument, das einen Einblick in die Situation der Wohnungslosen in Hessen bietet. „Jedoch sind die vorliegenden Daten nicht ausreichend.“, so Stefan Gillich, Vorsitzender des zuständigen Liga-Arbeitskreises. „Wir brauchen deshalb eine hessische Wohnungsnotfallstatistik und fordern die Landesregierung nochmals auf, diese einzuführen.“ So könnten Ausmaß, Ursache und Verlauf von Wohnungslosigkeit erfasst werden. Auch die kommunal untergebrachten Menschen in Obdachlosigkeit würden dann mitgezählt. Durch eine solide Datenbasis könnten zukünftig Trends und Prognosen abgeleitet und letztendlich adäquate Angebote geschaffen werden. Konkrete Vorschläge zur Verbesserung nennt die Liga Hessen im Papier zur Stichtagserhebung 2015.

Die Pressemeldung, die Stichtagserhebung zur Wohnungslosigkeit in Hessen sowie die „Orientierungshilfe zum Erfrierungsschutz“, mit herausgegeben von der Liga Hessen, stehen hier zum Download bereit.   


*Die Fachgruppe „Wohnungslosenhilfe“ der Liga der Freien Wohlfahrtspflege in Hessen führt alle zwei Jahre eine Stichtagserhebung in Hessen durch. Damit werden flächendeckend diejenigen Menschen erfasst, die an einem bestimmten Tag (dem Stichtag) die Dienste und Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe der Liga Verbände in Anspruch nehmen bzw. aufsuchen. An der aktuellen Stichtagserhebung der Wohnungslosenhilfe der Liga-Mitgliedsverbände haben sich insgesamt 152 Dienste und Einrichtungen beteiligt.